Ausnahmebewilligung § 8 HWO

Pressemitteilung über einen positiven Ausgang mit der Ausnahmebewilligung

Auf Umwegen zum Ziel (Ausnahmebewilligung § 8 HwO)


Herr B. aus Herne hat seit fast 32 Jahren mit Stark- und Schwachstrom zu tun. Als selbstständiger Kabelverleger im Hochbau ließ er sich allerdings vor einigen Jahren von der Konkurrenz dabei erwischen, dass er die Kabel, die er verlegte, auch selbst anschloss. Das allerdings ohne die erforderliche Befähigung als Handwerksmeister der Elektrotechnik. Nach einer Bestrafung beantragte er bei der Handwerkskammer Dortmund seine Zulassung für das Elektrohandwerk, zumal er zwischen 1990 und 1996 auch ohne Meisterbrief als Projektleiter im Auftrag der Mainzer Süweda bei der Breitbandverkabelung von insgesamt 13 Gemeinden und Städten in Nordrhein-Westfalen eingesetzt war. Doch die Handwerkskammer zeigte dem heute 47-Jährigen zunächst die kalte Schulter.

 

 

Eine „selbständige und verantwortungsvolle Tätigkeit", wie sie von einem Meister erwartet wird, sei dieser Job nicht gewesen, so die jetzt von Assessor Fries vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen vertretene Kammer. Außerdem sei die Mainzer Firma, die sich damals auf die Breitbandverkabelung von Städten und Gemeinden spezialisiert hatte, die die Telekom links liegen gelassen hatte, ebenfalls nicht in der Handwerksrolle eingetragen gewesen.

 

Das von Hernn B. und seiner Anwältin Hilke Böttcher (Hamburg) angerufene Gericht unter Vorsitz von Manfred Klümper wollte es genau wissen und lud jetzt mit dem Herner Kaufmann Thomas Niehage (62) den Mann als Zeugen, der damals als Geschäftsführer der Süweda-Tochter REKS die Planung und Vermarktung des Breitbandnetzes betreute. Und der Zeuge wusste nur Gutes über den Kläger zu berichten. Der Elektrofachmann sei „die Schnittstelle zwischen Firma und örtlichem Handwerk" gewesen, habe bei der Planung stets mitgewirkt und auch bei der Abstimmung mit Baubehörden, Energie- und Wasserversorgern sowie Tiefbauunternehmen jeweils ein gewichtiges Wort mitgeredet. Nach Inbetriebnahme des Netzes habe der Kläger auch immer und vor allem bei Not- und Störfällen eigenverantwortlich in Mainz oder auch direkt bei Herstellern Material besorgen dürfen, ohne vorher wegen der Kosten fragen zu müssen. Bei „Großkonzernen wie der Telekom sind das stets Meisterpositionen", wie der ehrenamtlicher Richter Michael als Mann aus der Praxis aus eigenem Wissen dazu ergänzte.

 

Nach fast drei Stunden war dann das Eis gebrochen. Justiziar Pries bot dem Kläger auch ohne Entscheidung des Gerichts die „Ausnahmebewilligung als Informationstechnik-Handwerker" nach § 8 der Handwerksordnung an. Die kostet zwar 300 Euro, lässt aber auch den Antrag auf Zulassung zum artverwandten Elektrohandwerk zu. Und damit kann Herr B. dann das tun, was er bisher nicht durfte. Eins darf er allerdings nicht: Er hat nicht die Ausbildungs-Berechtigung für das Elektrohandwerk. Damit konnte der Kläger leben und akzeptierte es auch so. (AZ 9 K 5251/09)

Text: Helge Kondring

Auch entnommen aus: www.halloherne.de vom 06.Juni 2011, Verfasser Helge Kondring

 

Drucken